Grundsätzliches
1. Wir kritisieren vehement, dass im
Rahmen der Potestaktionen des Bildungsstreiks lernwillige Studenten vom Besuch ihrer
Lehrveranstaltungen abgehalten werden. Es ist schlimm genug, dass
eine militante Minderheit Straftaten wie Hausfriedensbruch oder
Sachbeschädigung begeht und gleichzeitig für sich beansprucht, im
Namen aller Studenten zu handeln. Dass diese Minderheit jetzt auch
noch versucht, der ganz überwiegenden Mehrheit derjenigen Studenten,
die sich in Vorlesungen und Übungen auf ihre Klausuren vorbereiten
wollen, zu behindern, indem sie Störaktionen und Besetzungen von
Hörsälen durchführt, ist inakzeptabel und in höchstem Maße
undemokratisch.
2. Es ist im Bezug auf die Intentionen des
„Bildungsstreiks“ höchst fragwürdig, wenn das Ziel einer
Verbesserung der Bildungssituation mit Mitteln verfolgt wird, die
Forschung und Lehre an den Hochschulen massiv behindern.
3.
Im Rahmen des Bildungsstreiks werden Probleme wie die
Bachelor-/Masterumstellung thematisiert, die tatsächlich angegangen
werden müssen. Dies sollte aber im Rahmen eines konstruktiven
Dialogs mit Hochschulen und Politik geschehen. Krawallaktionen im
Stil der 68er schaden nicht nur dem gesellschaftlichen Ansehen der
Studenten, sondern gefährden auch den Erfolg einer jahrelang
anhaltenden, vertrauensvollen Zusammenarbeit der Studierendenschaften
mit den Universitätsverwaltungen.
4. Wir wollen eine bessere
Bildung und eine soziale Durchlässigkeit des Bildungssystems. Aber
wir werden uns zu diesem Zweck nicht mit Antifas und anderen
linksextremistischen Gruppen einlassen. Die Beteiligung von Gruppen
wie „Revolution“ („Gegen Reformismus und Pazifismus - Für
revolutionären Internationalismus!„) schadet nur dem Ansehen der
Studierenden und Schüler in der Öffentlichkeit.
5. Wir
wehren uns gegen die Instrumentalisierung des Bildungsstreiks durch
die Linkspartei und ihre Jugendorganisationen „SDS“ und „solid“.
Bereits im letzten Sommer wurde in Werbespots zu den Europawahlen
offen mit den Bildungsaktivisten geworben. Wir finden es auch
unangebracht, dass in den „Mobiclips“ des Bildungsstreiks jungen
Linksparteipolitikern die Möglichkeit zur Profilierung gegeben wird.
6. Es ist nicht hinnehmbar, dass sich die Organisatoren einer
Veranstaltung, zu welcher Schüler und Studenten aufgerufen werden,
nicht eindeutig von gewaltsamem Protest distanzieren wollen.
Jeglicher Protest -egal in welchem Zusammenhang- muss friedlich sein!
7. Wir finden die Vermischung von Finanz- und
Wirtschaftskrise mit Bildungsthemen sachlich falsch und
kontraproduktiv. Die im letzten Sommer durchgeführten
„Banküberfälle“, aber auch Mottos wie „Geld für Bildung
statt für Banken“ sind nicht mehr als populistische
Kapitalismuskritik, durch die keine Verbesserungen im Bildungssystem
bewirkt werden. Viel zu leichtfertig wird hier das alte Spiel mit der
Angst junger Menschen vor wirtschaftlichem Abstieg betrieben.
8.
Die Asten, die hinter dem Bildungsstreik stehen, finanzieren ihren
Protest über die Gelder der Studierendenschaft und behaupten, dass
dies im Interesse der Studenten geschehe. An der Uni Düsseldorf
beispielsweise kamen im Sommer 2009 jedoch lediglich 50-100 von
15.000 Studierenden zur den Streik thematisierenden Vollversammlung,
nach welcher das Studienparlament der Heinrich-Heine-Universität die
Mitfinanzierung der Veranstaltung mit bis zu 10.000€ beschloss.
Dies ist symptomatisch für das Klüngelsystem, mit dem sich eine
radikale Minderheit für ihre fragwürdigen Aktionen auf dem Umweg
über die Semesterbeiträge aus dem Geldbeutel aller Studenten
bedient.


